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02.05.2013

Deloitte-Studie

Reformauswirkungen im Gesundheitswesen


Die Deloitte-/Economist Intelligence Unit-Studie „Health reform and life sciences – Threat, opportunity or both?“ bestätigt, dass die Reformen des deutschen Gesundheitswesens vorrangig auf Kostensenkung abzielen, nicht auf eine Vergrößerung des Marktpotenzials wie in Brasilien oder China. Für die Studie wurden knapp 300 Teilnehmer weltweit befragt. Aus Sicht der internationalen Healthcare-Branche bringen die Reformen in Deutschland für diese wenige Vorteile.

 

Fokus auf Kostendämpfung

Immerhin planen knapp 40 Prozent der betroffenen Unternehmen eine Ausweitung ihrer Sales-Aktivitäten sowie eine Erhöhung der Produktzahl, für die eine Marktzulassung erwirkt werden soll. Ebenfalls 40 Prozent glauben, dass weitere Reformen folgen – jedoch keine einschneidenden. Auch in China und Brasilien zielen die Reformen vor allem auf Kostendämpfungseffekte, jedoch sollen zudem die Innovationsrate gesteigert und der Marktzugang für die einzelnen Teilnehmer erleichtert werden.

 

„Wir haben in dieser Studie drei Länder in den Fokus gestellt: Deutschland, China und Brasilien. Deren aktuelle Reformen im Gesundheitswesen waren Untersuchungsgegenstand – die Studienteilnehmer kommen aus der internationalen Life-Sciences-Branche, darunter Pharmazeuten, Medizintechnikhersteller, Dienstleister und Biotechnologie-Unternehmen“, kommentiert Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner und Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte.

 

Reformdruck macht Anpassung zur Priorität

Reformen im Gesundheitswesen haben erhebliche Auswirkungen: Laut Studie standen bei fast zwei Dritteln der Befragten (64%) in den letzten drei Jahren Anpassungen an reformbedingte Veränderungen ganz oben auf der Prioritätenliste. Für die Zukunft erwarten 77 Prozent erheblichen weiteren Anpassungsbedarf. Die Reformen in Deutschland waren für sieben Prozent der Unternehmen eine besonders große Herausforderung (USA: 25%).

 

Modifizierte Innovationsprozesse, bessere Kommunikation

Andererseits bedeuteten die deutschen Reformen für ebenfalls sieben Prozent auch Chancen (USA: 19%). Länderunabhängig sehen die Befragten vor allem die Möglichkeit, patientenorientiertere Services zu entwickeln und den generellen Zugang zu Pharmaprodukten auszuweiten. 26 Prozent sehen die Chance, die Qualität zu verbessern. Konkret haben die Unternehmen in den letzten drei Jahren vor allem ihre Innovationsprozesse modifiziert, die Kommunikation mit den Regulierern ausgebaut und ihr Vertriebsmodell patientenfreundlicher gestaltet. Mehr als ein Drittel erwartet zudem, dass Innovationsfähigkeit künftig deutlich belohnt wird. Allerdings beklagt auch ein Viertel einen allgemeinen Rückgang der Profitabilität.

 

Besserer Zugang zum Kunden, weniger profitable Preise

Mit 31 Prozent ist knapp ein Drittel der Befragten auch und vor allem im deutschen Markt tätig. Die Reformmaßnahmen der vergangenen Jahre haben für immerhin 28 Prozent die Verstärkung der Sales-Aktivitäten attraktiver gemacht, 27 Prozent glauben, nun ein breiteres Kundenspektrum zu erreichen. Negative Folge ist, dass eine lukrative Preisgestaltung erschwert wird. In den nächsten drei Jahren wollen fast 40 Prozent mehr Zulassungen für neue Produkte beantragen, immerhin ein Fünftel aber will die Produktion in Deutschland reduzieren.

 

Am meisten fühlen sich die Unternehmen von technologisch kompetenten Mitarbeitern der zuständigen Behörden verstanden, am wenigsten von Politikern und der Öffentlichkeit. Und sie glauben, dass diese Reformen nicht die letzten sein werden: 56 Prozent rechnen mit moderaten oder sogar einschneidenden Neuerungen in den nächsten Jahren.

 

Größere Chancen in China und Brasilien

Erwartungsgemäß werden im Vergleich bei den brasilianischen und chinesischen Healthcare-Märkten die Chancen generell größer und die Negativauswirkungen geringer eingeschätzt als in Deutschland. So sollen dort die Reformen auch Anlass geben, die Innovationsrate zu steigern und den verschiedenen Gruppierungen den Marktzugang zu erleichtern. Insgesamt wollen die Unternehmen ihre Aktivitäten in China und Brasilien stärker ausweiten. Ähnlich ist die Erwartung an die Stakeholder aller drei Länder: Am meisten Vertrauen setzen die Befragten in Behördenmitarbeiter, am wenigsten positive Resonanz erwarten sie von der Öffentlichkeit.

 

„Die teilweise einschneidenden Reformen haben vor allem die Marktführer dazu bewegt, ihre Innovationsprozesse und Vertriebsaktivitäten umzugestalten. Gerade finanzstarke Unternehmen sehen zahlreiche Vorteile. Sie bewerten die Chancen insgesamt höher als die Risiken. Nach Segmenten können vor allem Generikahersteller und Kostenträger im Gesundheitswesen auf mehr Einfluss hoffen, während bei Pharmaherstellern die Sorge vor Einflussverlust auf relevante Prozesse überwiegt“, resümiert Dr. Gregor-Konstantin Elbel.

 

Der gesamte Bericht steht auf der Deloitte-Website zum Download zur Verfügung.

 

Quelle: Pressemitteilung Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Datum: 23.04.2013, Foto: istockphoto ©Kirby Hamilton


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