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08.09.2017

Test erkennt resistenten Prostatatumor

Für die Behandlung von metastasierten Prostatatumoren werden erweiterte Hormontherapien eingesetzt. Dank eines neu entwickelten Bluttests können Ärzte frühzeitig erkennen, bei welchen Patienten der Einsatz dieser Medikamente nicht sinnvoll ist.


Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Wird die Erkrankung diagnostiziert, nachdem der Tumor in Lymphknoten und Knochen metastasiert ist, wird eine erfolgreiche Behandlung immer schwieriger. Im fortgeschrittenen Stadium des Tumorleidens setzen Ärzte heute Medikamente wie Abirateron und Enzalutamid ein. Diese verhindern die Wirkung des Hormons Testosteron, das die Prostatakrebs-Zellen zum Wachstum brauchen. „Die rein medikamentöse Therapie mit diesen Wirkstoffen bezieht sich auf ein palliatives Stadium, insbesondere die Patientengruppe mit metastasiertem kastrations-resistentem Prostatakarzinom“, sagt Privatdozent Dr. Matthias Heck, Urologe am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).


Resistent wegen AR-V7-Rezeptor

Die eingesetzten Medikamente sind allerdings nur bei einem Teil der Patienten wirksam. Bei den übrigen Krebspatienten entwickeln die Tumorzellen Resistenzen und setzen ihr Wachstum dann auch unter medikamentöser Behandlung ungehindert fort. Hier setzt nun ein neuer Bluttest an, den Matthias Heck gemeinsam mit dem Arzt und Bioinformatiker Dr. Dr. Christof Winter, Leiter der Arbeitsgruppe 'Liquid Profiling und Bioinformatik' am Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der TUM, entwickelt hat. Der Test erkennt, ob im Blut der sogenannte AR-V7-Rezeptor aus Krebszellen vermehrt vorhanden ist, der für die Resistenz gegen die Krebsmedikamente verantwortlich ist. „In unserer Studie konnten wir im Blut jedes fünften Patienten einen erhöhten AR-V7-Rezeptor-Wert nachweisen. Diese Patienten haben dann auch nicht auf die Therapie mit Abirateron/Enzalutamid angesprochen“, fasst Christof Winter ein zentrales Ergebnis der jüngsten Untersuchung zusammen und ergänzt: „Durch den Test konnten wir rund 50% der Resistenzen erklären.“


Besser behandeln

Das Münchner Wissenschaftlerteam um Matthias Heck und Christof Winter hat seine Erkenntnisse kürzlich in der Fachzeitschrift 'European Urology' veröffentlicht. Für Patienten mit Prostatakarzinom bringt der neue Bluttest zwar keine neue Therapieoption. Er könnte allerdings in Zukunft dafür sorgen, dass bei Patienten, die auf die oben genannten Medikamente nicht ansprechen, eine medikamentöse Behandlung erst gar nicht begonnen wird. Matthias Heck: „Der Nutzen des Tests besteht darin, eine wirkungslose Behandlung zu vermeiden, indem er die Patienten mit der entsprechenden Tumorresistenz erkennt. Es gibt aber Therapien wie zum Beispiel eine Chemotherapie, die man dem Patienten als Alternative anbieten kann. Bisher verfahren wir in unserer Klinik so, dass wir eine medikamentöse Therapie beginnen und erst nach ungefähr drei Monaten wissen, ob diese anspricht. Diese Verzögerung werden wir uns mit dem neuen Test ersparen.“

 

Quelle: Carolin Lorber, www.interpharma.ch


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